Warum Schleppen mich glücklich macht?!

Wenn man Trageberatung anbieten möchte, dann kommt man irgendwann an den Punkt, dass man dem Ganzen auch einen Namen geben möchte. Mein Mann und ich überlegten hin und her, welcher Name nun passen könnte. Im Internet lasen wir viele tolle Ideen… aber diese Namen waren nun schon vergeben und „einfach nachmachen“ wollte ich auch nicht. Es sollte zu mir passen, zu meiner Einstellung, die ich zum Tragen haben, zu dem, was ich mit dem Tragen verbinde.

Wenn ich genauer drüber nachdenke, dann bedeutet Tragen für mich einfach Glück. Das kann für jeden auch etwas anders ausgelegt sein. Manch einer ist glücklich, weil sein Kind sehr nah beim ihm ist. Ein anderen ist vielleicht glücklich, weil er mit Kind in der Trage und freien Händen den Alltag besser meistern kann und wieder jemand anderes ist vielleicht einfach nur glücklich, weil das Kind nicht mehr weint und endlich in den Schlaf findet. Tragen kann auf viele verschiedene Wege glücklich machen.

So war zumindest ein Teil des Namens geboren. Ich überlegte also weiter, recherchierte im Internet und sicher bin ich nicht die einzige Trageberaterin, die Tragen mit Glück in Verbindung bringt. Ich bat Freundinnen um Ideen, brachte meinen Mann zur Verzweiflung und zerbrach mir den Kopf, weil mir einfach nix Gutes einfallen wollte und ich auch die besten Vorschläge nicht so einfach annehmen konnte. Irgendwie passte es noch nicht oder es passte einfach nicht zu mir.

Bei meinen Beratungen möchte ich Eltern gerne die Freude vermitteln, die ich beim Tragen empfinde. Und damit meine ich keine Gefühlsduselei, sondern die Freude die entsteht, wenn am Ende der Beratung alle zufrieden mit der gefundenen Tragelösung sind. Wenn eine Mama oder ein Papa die Erleichterung im Alltag findet, die sie oder er sich gewünscht hat. Es soll Spaß machen sein Kind zu tragen und keine leidige Pflicht werden, weil man „das eben nun mal so macht“ oder „weil ein Kind sich so am besten entwickelt“. Die Eltern in meiner Beratung sollen keine Angst haben etwas falsch zu machen, weil man beim Tragen sooooo vieles beachten muss. Mit ein paar Tipps und Tricks und der richtigen Produktwahl werden Eltern zu Experten beim Umgang mit ihrem Kind. Das Tragen wird zur Intuition. Niemand sollte am Ende mit einem Geodreieck vorm Spiegel stehen, um die Winkel an Hüfte und Oberschenkel zu messen oder sich fragen müssen, ob der Rücken nun die optimale Rundung hat. Vielleicht sollte man auch einfach alles ein bisschen lockerer sehen?

Die besten Ideen kommen wie immer direkt aus dem Alltag und sind mitten aus dem Leben gegriffen. Unsere jüngste Tochter ist ein Vollbluttragling. Wir tragen sie jeden Tag über mehrere Stunden. Durch Homeoffice übernimmt auch mein Mann gerne eine Tragerunde und kann auch mit schlafendem Kind seiner Arbeit nachgehen. Es soll an dieser Stelle kein Geheimnis bleiben, dass ich mich sehr darüber freue, denn auch wenn ich das Tragen liebe, kann ich es durchaus genießen, wenn ich einen Moment für mich habe.
Eines Morgens, nachdem die wievielte Nacht in Folge nicht besonders erholsam war und ich noch vollkommen übermüdet im Bett lag, neben mir ein motziges, schlecht gelauntes, weinerliches Baby, kam mein Mann ins Zimmer. Ich streckte ihm das Kind entgegen, verstellte mein Stimme um die Situation irgendwie etwas aufzuhellen und sagte zu ihm: „Papa, schlepp mich rum….bitte Papa, schlepp mich glücklich“. Und genau das war der Moment. Da war mein Name, auf den ich so lange gewartete hatte.

Tragen und Schleppen….kann man das machen?
Ich mochte „Schlepp mich glücklich“. Aber machte mir durchaus darüber Gedanken, ob man das so sagen darf. Ist der Begriff „Schleppen“ vielleicht zu negativ? Sollte das Tragen von Babys und Kindern nicht eher vermitteln, dass dies mit Leichtigkeit geschieht?
Wollen wir mal ehrlich sein: Je älter die Kinder werden, desto schwerer werden sie. Mit der richtigen Bindeweise oder einer gut passenden Tragehilfe kann man dieses Gewicht sehr gut auf den Körper des Trägers verteilen. Aber man kann es nicht wegzaubern. Wer seine Kinder viel und lange trägt, braucht sicherlich auch ein Training, aber für gewöhnlich kommt das von ganz alleine, weil unsere Babys mit einem guten Startgewicht auf die Welt kommen und unser Körper sich langsam an das steigende Gewicht gewöhnt. Und ganz abgesehen davon ist man mit Kindern unterwegs meistens eh gut bepackt. Je nach Alter des Babys oder Anzahl der Geschwister hat man also immer irgendwas dabei. Niemand hat gesagt, dass Eltern sein leicht ist ;-).

Ich sehe das „Schleppen“ meiner Kinder also mit einem gewissen Augenzwinkern. In Tragekreisen bezeichnet man auch hin und wieder mal ein Produkt als „Schleppfetzen“ und auch hier spielt natürlich Humor mit.
„Schlepp mich glücklich“ passt zu mir, zu meiner Einstellung zum Tragen und zu unserer Familie. Ich freue mich, wenn auch du nach einer Beratung mit etwas mehr Leichtigkeit durch deinen Alltag kommst. Wenn das Tragen für dich mehr Freude als Pflicht bedeutet, wenn es dich und dein Baby einfach glücklich macht.